| Seemanslied |
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Datum: 09.08.2012 Ort: Insel Tilos(GR) Wetter: sonnig Temperaturen: 40° Seemeilen Tag /Gesamt: 16/3693 Gelesene Bücher: Adi 91 liest: Hiscock – Willkommen an Board Jrene 83 liest zur Zeit: Donna Leon – reiches Erbe
Es ist heiss und wird noch heisser. Wir beschränken unsere Bewegungen aufs Minimum, das bedeutet, wir packen der Badesachen und dann langsam an den Strand schlurfen. Wind am Morgen noch keiner in Sicht, was das Klima auch nicht besser macht. So stehen wir fast eine Stunde im warmen Wasser und hoffen auf Abkühlung, die uns neben schrumpeliger Haut an Händen und Zehen auch nicht verwehrt bleibt. Im Schatte magerer Bäumen machen Pläne. Kein Wind, kein Vorwärtskommen, keine Lust zu gehen. Wir haben just beschlossen ein Auto zu mieten, um damit die Insel und den Vulkan zu besuchen, da kommt eine Brise auf. Eine Brise die immer stärker wird und uns an der Autovermietung vorbei gehen lässt, direkt aufs Schiff. Schnell wird aufgeklart, zum Mittagessen werden noch vier Gyros über die Gass geholt. Dann werden die Leinen gelöst und Segel gesetzt. Mit 3 Knoten geht es voran. Nicht wirklich schnell, wir sind uns nun anderes gewohnt, trotzdem sind wir zufrieden. Mit vollem Bauch machen wir erst einmal Mittagsschlaf, bis auf Adi am Steuer. Der geniesst die Ruhe mit lesen. Später kommt wieder Leben ins Schiff. Erwin zückt seine beiden Mundharmonikas. Ich hole meine aus der Versenkung. Dann geht es los mit dem Katzenjammer. Markus mischt fleissig mit. Die Harmonien müssen erst gefunden werden, bevor sich das Orchester entfalten kann. Es klappt immer besser. Alte und neue Seemannslieder werden angestimmt. Auf der Insel Tilos wollen wir in den Hafen, doch der ist schon voll. Wir begnügen uns mit einem Platz vor Anker am Strand.
Noch während ich diese Zeilen hier schrieb kam Wind auf, heftig und rau. Mit Böen die unser Schiff im Kreis drehen liess. Ich ganz auf die Tasten, diesen Text und euch Leser konzentriert habe wieder einmal nicht gemerkt, wie wir langsam unserem Nachbarschiff zutrieben. Adi der schon unten in der Koje lag, kam mit einem komischen Gefühl ins Cockpit und siehe da, er hatte Recht. Dann ging es ruckzuck. Der Motor wurde angeworfen. Tisch und Laptop versorgt. Adi stand am Anker. Markus nahm sich Yanis an, der von der Aufregung geweckt zu schreien begonnen hat. Erwin sass unten im Salon bereit, falls Hilfe nötig. Alles schön dunkel, wieder einmal kein Mond. Ich versuchte uns zwischen zwei, heftig in den Böen kreisenden Ankerlieger hindurch stabil zu halten, keinem zu nahe kommen, und doch so, dass der Anker geborgen werden kann. Der Anker klemmte irgendwo. Ich fuhr mit dem Schiff eine neue Schlaufe und siehe da, der Anker war frei. Wieso auch immer. Weiter hinten am Strand suchten wir uns einen neuen Platz. Anker ab. Rückwärtsgang. Er sitzt und hält im Moment. Die Ankerwache wird eingeschaltet. Adi und Erwin beobachten das Ganze noch eine Weile. Der Wind nimmt ab. Wir können uns schlafen legen.
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